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Das Töten gelernt
14.11.2003









AP berichtete am Mittwoch über den Fall des US-Soldaten Richard R. Davis, der vermutlich von vier seiner Kameraden ermordet worden ist.

Davis war im Juli zusammen mit Jacob Burgoyne, Mario Naverrete, Douglas Woodcoff und Alberto Martinez von seinem Einsatz im Irak, wo alle in der gleichen Infanterieinheit gedient hatten, nach Fort Benning bei Columbus im US-Bundesstaat Georgia zurückgekehrt.

Nur wenige Tage nach ihrer Rückkehr war Davis nach einem gemeinsamen Besuch eines Striplokals verschwunden. Wie sich jetzt herausstellte, ist er anscheinend von seinen Kameraden bei einem Streit ermordet und danach in einem Wald verbrannt worden. In dem Lokal hatte er eine der Stripperinnen beleidigt, woraufhin die Soldaten das Lokal verlassen mußten. Hierüber waren seine Kameraden anscheinend sehr wütend geworden und es kam zu einer Prügelei, bei der er schließlich erstochen worden war.

Nachdem lange Zeit angenommen worden war, Davis hätte sich unerlaubt von der Truppe entfernt, war auf einen Hinweis hin nun sein Skelett gefunden und die vier Männer festgenommen worden.

Man könnte hier denken, daß es sich einfach "nur" um einen Mordfall handelt, gerade die näheren Umstände weisen allerdings auf ein grundlegenderes Problem hin, daß zurückkehrende Soldaten aus allen Kriegen betrifft. Nicht nur, daß es sich um offensichtlich befreundete Kameraden der gleichen Einheit handelte, der tödliche Streit entwickelte sich auch aus einer absoluten Nichtigkeit.

Der von den Soldaten gewählte Weg der Konfliktlösung - die Prügelei und schließlich Davis' Ermordung und die anschließende Verbrennung der Leiche - zeigt, wie sehr es für sie durch ihren monatelangen Einsatz zur Normalität geworden ist, Probleme mit tödlicher Gewalt zu lösen.

Erst im vergangenen Jahr gab es eine Mordserie in den Vereinigten Staaten, bei der innerhalb von sechs Wochen 4 Soldaten des Fort Bragg im US-Bundesstaat North Carolina, nachdem sie aus Afghanistan nach Hause zurückgekehrt waren, ihre Ehefrauen ermordet hatten.

Psychologisch dürfte dieses Phänomen kaum verwunderlich sein. Schon während ihrer Ausbildung werden die Soldaten für die sofortige Gewaltausübung trainiert, durch langwierige Einsätze kommen hier noch der Streß der tatsächlichen Bedrohung und getöteter Kameraden hinzu.

Der Irakkrieg dürfte nicht nur unter den Irakern sondern auch unter den US-Soldaten eine große Zahl nicht nur körperlich, sondern auch seelisch verkrüppelter Menschen zurücklassen. Offensichtlich scheint der US-Regierung dieser Preis allerdings nicht zu hoch.




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