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Anschläge in Istanbul
20.11.2003









Am Donnerstag ist es in Istanbul erneut zu Explosionen gekommen, berichtete AP. Bei 3 Bombenexplosionen sind ersten Berichten zufolge mindestens 15 Menschen getötet und über 300 verletzt worden. Die Anschläge richteten sich gegen die türkische Zentrale der HSBC Bank, der weltweit zweitgrößten Bank, und das britische Konsulat.

Erst am Samstag war es in Istanbul zu zwei Anschlägen auf Synagogen gekommen. Wie kaum anders zu erwarten war, wurden diese in der Zwischenzeit Al-Qaida zugeschrieben. Außerdem existiert ein angeblich von Al Qaida stammendes Bekenntnis zu den Anschlägen, zwei weitere, allerdings türkische Organisationen haben sich allerdings ebenfalls zu den Anschlägen bekannt, diese Bekenntnisse werden von den Behörden aber als "unglaubwürdig" abgetan.

Auch die Tatsache, daß die beiden Selbstmordattentäter von dem Gouverneur von Istanbul, Muammer Guler, als Mesut Cabuk und Gokhan Eleltuntas identifiziert wurden, die beide aus dem südosttürkischen Ort Bingol, einer Hochburg der kurdischen Kämpfer für einen unabhängigen Staat, stammen, scheint nichts an der offiziellen Version zu ändern.

6 Menschen sind in Verbindung mit den Anschlägen auf die Synagogen bisher verhaftet worden, unter anderem auch Angehörige von als Mittätern Verdächtigen. Nach der Verbindung zu Al-Qaida gefragt, sagte der türkische Außenminister Abdullah Gul gegenüber Journalisten: "Verbindungen sind entdeckt worden... Wir sehen, daß eine Verbindung mit dieser Organisation in Afghanistan aufgetaucht ist, zumindest auf der Ebene der Mentalität und der Ideologie."

Eine tatsächliche Verbindung der Anschläge vom Samstag und Donnerstag - die sicherlich ebenfalls wieder Al-Qaida zugeschrieben werden - mit der Organisation Osama bin Ladens scheint mehr als unwahrscheinlich.

Nicht nur, daß bei Anschlägen von Al-Qaida - so die Organisation denn so "professionell" ist, wie sie regelmäßig dargestellt wird - eine wesentlich größere Zahl von Opfern unter den beabsichtigten Menschen anzunehmen wäre (nur 6 der 23 Todesopfer der Anschläge auf die beiden Synagogen waren Juden, bei den restlichen handelte es sich um zumeist moslemische Passanten), auch die Anschlagziele selbst scheinen aus der Sicht Al-Qaidas wenig sinnvoll.

Die Anschlagswelle begann nur kurze Zeit, nachdem die türkische Regierung sich von dem Plan, türkische Soldaten in den Irak zu entsenden, distanziert hat. Dieser Plan könnte durch die Anschläge erneut in Betracht gezogen werden. Bereits am Mittwoch schrieb der AP-Reporter Esra Aygin in einer Meldung, daß "eine Verbindung zu Al-Qaida die Türkei, ein vorrangig moslemisches, aber sekuläres Mitgliedsland der NATO, zu einer neuen Front im US-geführten Krieg gegen den Terror werden lassen würde."

Eine Entsendung von türkischen Soldaten in den Irak kann kaum im Interesse Al-Qaidas liegen, unabhängig, ob die Organisation selbst im Irak tätig ist, oder nicht. Eine derartige Entsendung wäre vorrangig für die USA von Vorteil.

Die Möglichkeit eines beispielsweise durch die CIA gesteuerten Anschlags sollte nicht allein aufgrund der bei einer Entdeckung zu befürchtenden politischen Folgen als unrealistisch bezeichnet werden, da dies sicherlich auch vor drei Jahren noch von einem nicht durch die UNO legitimierten Angriffskriegs gesagt worden wäre.

Anscheinend ist die derzeitige US-Regierung entweder bereit, derartige Risiken einzugehen oder sie ist sich bereits sehr sicher, daß sie mit keinerlei Folgen zu rechnen hat.




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