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Wertvolle und weniger wertvolle Menschen?
16.11.2003









Die Anschläge auf zwei Synagogen in Istanbul sind ein Verbrechen. Hierüber braucht nicht diskutiert werden, es wurden mindestens 22 unschuldige Männer, Frauen und Kinder bei der Ausübung ihrer Religion getötet und über 300 verletzt und dabei aller Wahrscheinlichkeit nach nur aufgrund eben dieser Religionszugehörigkeit als "Ziel" ausgewählt.

Der Grad der öffentlich geäußerten Betroffenheit ist allerdings auffallend stärker als in anderen Fällen.

Weder das Grubenunglück in China, bei dem mindestens 49 Menschen getötet worden sind, noch die Reihe von Überflutungen und Erdrutschen in Vietnam der letzten Tage, bei denen ebenfalls mindestens 49 Menschen ums Leben gekommen sind, oder zwei Anschläge auf Nachtclubs in der kolumbianischen Stadt Bogota in der Nacht zum Sonntag mit Granaten, bei denen mindestens 42 verletzt wurden oder die Ermordung von über 100 Zivilisten durch Rebellen in Uganda in der vergangenen Woche - um nur einige Beispiele zu nennen - haben auch nur zu einem ähnlichen Aufschrei der Politiker als auch der Medien geführt. Über viele der hier genannten Fälle wurde wenig bis gar nicht berichtet und es ist nicht bekannt, daß auch nur ein Politiker sein Mitgefühl für diese Opfer geäußert hätte.

Da entsprechende Reaktionen nicht nur von deutschen Politikern wie Gerhard Schröder, der dem türkischen Volk sein "tiefstes Mitgefühl" aussprach und dem Außenminister Joseph Fischer, der von "verbrecherischen" und "barbarischen Terrorakten" sprach, sondern unter anderem auch von dem griechischen Außenminister Giorgos Papandreou, dem französischen Präsidenten Jacques Chirac, der Europäischen Union, Rußland, Italien und der Schweiz bekannt sind, können als Begründung hierfür kaum die Verbrechen der Nazizeit gelten.

Der israelische Außenminister Silvan Shalom nutzte die Anschläge andererseits, um sich über die israelkritische Berichterstattung in Europa zu beschweren. Die Art, wie Israel porträtiert wird, erzeugt seiner Ansicht nach "verbalen Terror", der wiederum zu tatsächlichem Terror führe.

Sicher, die Türkei ist sowohl geographisch als auch politisch dichter an Europa als beispielsweise Kolumbien, dies allein kann aber kaum eine Entschuldigung dafür sein, das Leid einer Gruppe von Menschen als wesentlich schwerwiegender darzustellen als das Leid anderer Gruppen.

Im Rahmen von "guten diplomatischen Beziehungen" ist es natürlich nachvollziehbar, daß sich Politiker zu Anschlägen wie in Istanbul äußern, allerdings ist hiermit nicht geklärt, warum "gute diplomatische Beziehungen" beispielsweise mit China anscheinend weniger wünschenswert sind.

Gerade diese immer wieder gemachte Unterscheidung macht es aber vielen Menschen leichter, an eine "jüdische Weltverschwörung" zu glauben.




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