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Selbstzensur
07.11.2003









Eine Meldung des Sydney Morning Herald vom Freitag enthüllte, daß die Los Angeles Times ihre Redakteure angewiesen hat, in Zukunft nicht mehr von irakischen "Widerstandskämpfern" zu sprechen.

Statt dessen sollen einer per Email erhaltenen Anweisung zufolge die Worte "Rebellen" oder "Guerillas" benutzt werden.

Eine stellvertretende Chefredakteurin der LA Times, Melissa McCoy, sagte am Mittwoch, daß die Anweisung auf einer Diskussion von hochrangigen Redakteuren der Zeitung und nicht auf Beschwerden von Lesern zurückgeht.

McCoy sagte, sie hielte das Wort "Widerstandskämpfer" zwar für eine richtige Beschreibung für Iraker, die gegen US-Soldaten kämpfen, es würde aber auch Erinnerungen an den 2. Weltkrieg wecken, insbesondere an den französische Widerstand, die Résistance, oder an Juden, die gegen Nazis im Warschauer Ghetto gekämpft hatten.

Dieser Eindruck wird teilweise sicherlich durch die Ähnlichkeit der englischen Formulierung "resistance fighter" zu "Résistance" hervorgerufen, trotzdem stellt sich die Frage, ob dies tatsächlich der einzige Grund für die Anweisung ist.

"Widerstandskämpfer" haben zumindest moralisch betrachtet eine größere Legitimation als "Rebellen" oder "Guerillas", da sie eindeutig gegen ausländische Besatzer kämpfen, während "Rebellen" oder "Guerillas" eher gegen die Regierung des eigenen Landes vorgehen und häufig nicht den gleichen Rückhalt in der Bevölkerung besitzen.

Da der Irak von den USA erobert und besetzt wurde, scheint nur die Formulierung "Widerstandskämpfer" tatsächlich angemessen zu sein. Wenn dies in englischen Ohren Erinnerungen an den französischen Widerstand weckt, so könnte dies auch daran liegen, daß es sich ebenfalls um eine völkerrechtswidrige Eroberung handelt. Der Hinweis auf den Aufstand im Warschauer Ghetto scheint in diesem Zusammenhang vorrangig gemacht worden zu sein, um von dieser Ähnlichkeit abzulenken, da sich dieser gedankliche Vergleich nicht derart aufdrängt wie der mit der französischen Résistance.

David Hoffman, Auslandsredakteur der Washington Post, sagte, daß seine Zeitung die Formulierung "Widerstandskämpfer" benutzt hat und daran auch keine Zweifel hat. "Sie leisten einer amerikanischen Besatzung Widerstand also ist es nicht ungenau", so Hoffman.

Hier handelt es sich zwar nur um eine kleine, fast unauffällige Veränderung einer Formulierung, dies sind aber gerade die kleinen Unterschiede, durch die auf unterschwellige Art eine Meinungsänderung beim Leser bewirkt werden kann.

Natürlich drängt sich die Frage auf, ob die Anweisung der LA Times tatsächlich nur auf einer eigenen Entscheidung beruht oder vielleicht Druck von Seiten der US-Regierung ausgeübt worden ist, wie dies auch schon auf andere Medien, als Beispiel sei hier nur der arabische Sender Al-Jazeera genannt, geschehen ist.

Al-Jazeera war massiv unter Druck gesetzt worden, was dazu geführt hat, das mehrere Comic Strips von der Website entfernt wurden, eine ganze Reihe von Veröffentlichungen von irakischen Widerstandsgruppen, aber auch von Al Qaida, nicht ausgestrahlt wurden und die Berichterstattung insgesamt zurückhaltender in ihrer USA-Kritik geworden ist.

Wie der britische Guardian am Donnerstag berichtete, hat eine Studie der BBC gezeigt, daß die in den Kampfverbänden "eingebetteten" Journalisten ein geschöntes Bild des Krieges geliefert hatten.

Mark Damazar, stellvertretender Direktor von BBC News, sagte: "Aus Gründen, die lobenswert und ehrenvoll sind, sind wir in eine Situation gekommen, in der unsere Berichterstattung geschönt ist. Wir laufen Gefahr einer Doppelmoral und das ist kein Dienst an die Demokratie."

Obwohl bis heute 53 britische Soldaten im Irakkrieg getötet wurden, haben die Zuschauer nicht ein Bild eines getöteten oder verletzten britischen Soldaten gesehen. Damazer rief zu einer Debatte über die seit Jahren zunehmende Kultur der Schönung auf.

In der Berichterstattung war es der Studie zufolge doppelt so wahrscheinlich, daß irakische Freude über die US-Soldaten gezeigt wurde als Zweifel oder Feindschaft.




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