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Aufstand in irakischer Stadt
06.10.2003









Wie der britische Independent am Montag berichtete, ist es am Wochenende in der irakischen Stadt Baiji zu einem Aufstand der Bürger gekommen. Die irakischen Polizisten sind größtenteils geflohen und auch das US-Militär scheint nur sehr begrenzte Bereiche der Stadt zu beherrschen.

Baiji liegt nicht nur an der Hauptverbindungsstraße zwischen der Hauptstadt Baghdad und der Stadt Mosul im Norden, sie beherbergt außerdem die größte Erdölraffinerie des Landes.

Nach Aussage eines Anwohners, Majid, war der Auslöser für den Aufstand offenbar ein Vorfall, wie er fast zum gleichen Zeitpunkt auch in anderen irakischen Städten passiert ist.

"Eine Menge versammelte sich auf einem Marktplatz. Dann griff die Polizei sie und andere Leute an... und schossen dabei. Vier Menschen wurden getroffen und lagen am Boden", so Majid, der sich aus Angst vor Vergeltung weigerte, seinen Nachnamen zu nennen.

Viele durch die Schüsse aufgebrachte Menschen schlossen sich der "mit unserem Blut, mit unserem Geist sind wir bereit für Dich Saddam zu sterben" singenden Menge an und griffen die Polizisten des schon zuvor sehr unbeliebten Polizeichefs General Ismail Abdullah Jassim an.

Rafid, ein Lastwagenfahrer, sagte: "Der Polizeichef nahm alle Fahrzeuge, die der Regierung gehörten, an sich. Er war hier in Baiji wie ein Präsident."

Danach zog die Menge weiter zum Büro des Bürgermeisters Hamid Rajabayef al-Qaissi. Diesem gelang es nicht, die Menschen zu beruhigen und sie zündeten sein Büro an, woraufhin die meisten Polizisten aus der Stadt flohen.

Auf die amerikanische Drohung hin, sie andernfalls zu entlassen, kehrten später einige der Polizisten in die Stadt zurück.

Ein amerikanischer Soldat an einem Kontrollpunkt am Rande der Stadt sagte: "Wir waren diesen Morgen in einem großen Feuergefecht, aber wir haben wieder die Kontrolle." Trotzdem scheinen die Anwohner noch den größten Teil der Stadt unter Kontrolle zu haben.

Mehrere türkische Lastwagen, die die Stadt durchqueren wollten, sind angegriffen worden, da die Menschen sicher sind, daß sie Benzin im Irak billig einkaufen, um es dann in die Türkei oder sogar nach Israel zu schmuggeln, um es dort wesentlich teurer zu verkaufen, was die Unterversorgung in der Stadt mit Benzin ausgelöst haben soll. Mindestens zwei Fahrzeuge sind ausgebrannt.

Am Sonntagabend war die Situation in der Stadt immer noch sehr angespannt. Auch irakische Lastwagenfahrer hatten Angst, durch die Stadt zu fahren, da sie befürchteten, versehentlich für Türken gehalten zu werden. "Niemand hat die Kontrolle. Dort herrscht die Anarchie", sagte ein Mann am Rande der Stadt.

Derzeit gibt es kaum Informationen über Opferzahlen. Dr. Assaf vom örtlichen Krankenhaus sagte, am Samstag wären 11 Menschen mit Schußverletzungen eingeliefert worden, wußte aber nicht, wie viele es am Sonntag waren.

Das US-Militär befindet sich hier in einer Zwickmühle. Einerseits kann es nicht zulassen, die Kontrolle über die Stadt zu verlieren, andererseits würde ein hartes Durchgreifen höchstwahrscheinlich zu einem noch größeren Aufstand führen.




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