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Folter in Rußland
19.10.2003









Wie der britische Observer am Sonntag berichtete, scheint Folter mehr und mehr ein übliches Werkzeug innerhalb der russischen Polizei zu werden, um Verdächtige zu Geständnissen zu bringen.

"Ich dachte, es wäre alles vorbei, daß ich sterben würde", sagte Denis, ein Automechaniker, dem vorgeworfen wurde, ein Autoradio gestohlen zu haben.

Nachdem er von Polizisten mit Fäusten und Schlagstöcken zusammengeschlagen worden war, hatte er sich immer noch geweigert, ein Geständnis zu unterschreiben. Daraufhin hatten die Polizisten ihm eine Gasmaske aufgesetzt, deren Luftlöcher verschlossen waren. Nach 90 Sekunden war Denis ohnmächtig geworden.

Nachdem er in der Zelle, in die er danach gebracht worden war, wieder aufwachte, weigerte er sich noch immer, ein Geständnis zu unterschreiben. Daraufhin wurde er von den Polizisten schließlich freigelassen.

Sein Freund Artur, der des gleichen Vergehens beschuldigt wurde, unterschrieb nach zweimaliger Folter mit der "Elephantenmaske" schließlich das Geständnis, da er schon von mehreren Fällen gehört hatte, bei denen Verdächtige im Gefängnis gestorben waren.

Dies sind nur zwei Beispiele einer nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen immer weiter außer Kontrolle geratenden Polizei in Rußland, die häufig auch Elektroschocks einsetzt, um Geständnisse zu erlangen.

Pavel Chigov, Leiter des Menschenrechtszentrums Kazan, sagte: "Es gibt eine systematische Anwendung von Folter durch die Polizei um Geständnisse zu erlangen. Die Polizei muß eine große Anzahl von Fällen lösen und steht unter großem Druck, die Aufklärungsquoten hoch zu halten. Folter ist der einfachste Weg, einen Fall zu lösen."

"Polizisten werden sehr schlecht bezahlt", so Chigov weiter. "Also müssen sie bis zu 90 Prozent ihrer Zeit aufwenden, um Geld zu ihrem Gehalt dazu zu verdienen [beispielsweise als Privatdetektiv]. Das läßt nur noch 10 Prozent ihrer Zeit für wirkliche Polizeiarbeit übrig. Unter einem derartigen Zeitdruck ist Folter auch die schnellste Art, ein Geständnis zu bekommen."

Igor Kalyapin vom Nizhni Novgorod Komitee gegen Folter sagte: "In den sehr seltenen Fällen, in denen die Schuld der Polizisten bewiesen wird, erhalten diese eine Bewährungsstrafe und werden aus dem Dienst entlassen."

Nach seiner Aussage ist Folter gemäß russischem Recht kein Verbrechen. Dementsprechend werden folternde Polizisten nur wegen Amtsmißbrauch angeklagt.




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