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Türken in den Irak
07.10.2003









Am Dienstag hat das türkische Parlament mit klarer Mehrheit der Entsendung von türkischen Soldaten in den Irak zugestimmt, auch wenn es hierfür kein UN-Mandat gibt.

Mit 358 zu 183 Stimmen wurde damit dem amerikanischen Druck, Truppen in den Irak zu schicken, nachgegeben. Als Belohnung dürfte damit amerikanischen Krediten in Höhe von 8,5 Milliarden US-Dollar für die Türkei nichts mehr im Weg stehen.

Die türkische Regierung erhofft sich allerdings noch mehr von der Mithilfe bei der Besetzung des Iraks. Über den Einfluß, den sie sicherlich versucht zu erlangen, war eine von der Türkei gestellte Bedingung, daß die Vereinigten Staaten der Türkei helfen, gegen kurdische Rebellen im Nordirak vorzugehen. Vergangene Woche kam bei einem Treffen mit einer amerikanischen Delegation zu einem Abkommen, daß den Einsatz der amerikanischen Streitkräfte einschließt.

Die Stationierung türkischer Truppen wird vom türkischen Volk ebenso abgelehnt wie vom irakischen. Selbst der von den USA eingesetzte irakische "Regierungsrat" wollte am Dienstag nach langwierigen internen Gesprächen eine Erklärung veröffentlichen, die die Stationierung ablehnt, so das Mitglied des Rats Mahmoud Othman.

Die Veröffentlichung wurde allerdings - wie Othman vermutet, auf Druck der USA hin - bisher aufgeschoben.

Voraussichtlich sollen 5.000 bis 10.000 türkische Soldaten in den Irak, vermutlich in die Zentralregion um Baghdad, entsandt werden. Die in einem Bericht des Spiegel genannte Vermutung, daß die Soldaten im Nordirak bei Mosul stationiert werden sollen, erscheint aufgrund der Spannungen der Türkei mit den Kurden höchst unwahrscheinlich.

Gleichgültig, wo im Irak die Türken letztlich stationiert werden, ihre Anwesenheit allein dürfte kaum zu einer Entspannung der Lage beitragen. Der amerikanischen Kalkulation, daß sich durch sie Moslems an der Besatzung beteiligen würden und es damit nicht mehr wie eine christliche Besatzung aussehen würde, steht die Tatsache entgegen, daß die Türkei in der Vergangenheit, bis zum 1. Weltkrieg, 400 Jahre lang den Irak beherrscht hat.

"Wir glauben, daß jegliche Einmischung eines Nachbarlandes, gleichgültig, ob Nord, Süd, West oder Ost, nicht akzeptabel ist", sagte das Ratsmitglied Mouwafak al-Rabii. "Diese Einmischung ist nicht akzeptabel. Diese Einmischung wird den Irak und jenes Land gefährden."

Die Parlamentsabstimmung führt nun zwar nicht zu einem sofortigen Marschbefehl für die Truppen, da bisher noch Verhandlungen mit den USA über die genauen Umstände geführt werden, es ist aber angesichts der täglichen Angriffe auf US-Soldaten mehr als wahrscheinlich, daß die USA alles daran setzen werden, daß die Stationierung sobald als möglich erfolgen wird.

Abschließend sei noch der neue türkische Meister in Neusprech erwähnt. "Jene, die dort hingehen, müssen dort hingehen, um dem Irak Frieden zu bringen. Die Türkei wird definitiv nicht Teil einer Besatzung sein", so der türkische Außenminister Abdullah Gul.




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