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Neue Beweise zum Tlatelolco-Massaker
02.10.2003









Wie AP am Donnerstag berichtete, ist die Nachrichtenagentur in den Besitz von früher geheimen Unterlagen der mexikanischen Regierung gelangt, die beweisen, daß das Massaker von Tlatelolco ausgelöst wurde, als mindestens 360 Scharfschützen der Regierung in die Menge feuerten.

Am 2. Oktober 1968 entwickelte sich eine Studentendemonstration für mehr Demokratie im Stadtteil Tlatelolco von Mexico-City zu einem Blutbad. Nach Regierungsdarstellung hatten Demonstranten als erste auf Polizisten geschossen, die daraufhin das Feuer erwiderten. Nach offiziellen Angaben wurden dabei 37 Menschen getötet, Schätzungen sprechen aber von bis zu 500. Da die Leichen vom Militär abtransportiert wurden konnte nie geklärt werden, wieviele Menschen wirklich getötet wurden.

Überlebende hatten danach immer wieder behauptet, daß das Massaker von Seiten der Regierung ausgelöst worden war, was diese immer bestritten hat. Eine geheime Sondereinheit des Militärs sei vor Ort gewesen. Die Mitglieder des "Batallón Olimpia" ("Batallion Olympia" - 10 Tage später begannen die olympischen Spiele in Mexiko und diese Sondereinheit war für deren "Schutz" geschaffen worden) seien zivil gekleidet gewesen und hätten als Erkennungsmerkmal einen weißen Handschuh an der linken Hand getragen.

Erst im Jahr 2001 wurde diese Behauptung durch die Veröffentlichung von Photos von dem Massaker in einer mexikanischen Zeitung bestätigt.

Der derzeitige mexikanische Präsident Vincente Fox hatte vor zwei Jahren versprochen, geheime Regierungsarchive über den Vorfall zugänglich zu machen. Hierdurch wurden der Untersuchung des Massakers neue Möglichkeiten eröffnet. Zuvor war die Untersuchung auf Anordnung des Obersten Gerichts zwar durchgeführt worden, aufgrund der Weigerung der zu der Zeit an der Regierung Beteiligten auszusagen, konnten aber kein Fortschritte erzielt werden.

Nach Aussage der Untersuchungsbeamten gibt es Beweise, daß höchste Regierungsstellen, unter anderem der damalige Innenminister Luis Echeverría, der 1970 Präsident wurde, wesentlich mehr wußten, als sie ursprünglich zugaben.

Einige der Scharfschützen hielten sich während der Schüsse in der Wohnung von Echeverrías Schwägerin auf.

"Glauben Sie, Echeverria wußte nicht, daß sie aus der Wohnung seiner Schwägerin schossen? Das glaube ich nicht", sagte Maria de Los Angeles Magdaleno eine Untersuchungsbeamtin des Falls gegenüber AP.

Es gäbe auch zunehmend Beweise für die Anwesenheit von Manuel Diaz Escobar, der ein geheimes Polizeibatallion bekannt als "Halcones" ("Falken") leitete. Diese Truppe verübte im Jahr 1971 ein weiteres Massaker in Mexiko.

Magdaleno ist der Ansicht, daß das Massaker nicht geplant gewesen war, sondern daß derart viele unterschiedliche Gruppen aus Militär, Polizei und Geheimdiensten vor Ort waren, daß diese nicht mehr zu kontrollieren gewesen seien.

Gerade dieses massive Aufgebot dürfte aber eher als Hinweis darauf gelten, daß die mexikanische Regierung das Massaker geplant hatte, möglicherweise, um die Studentenproteste "rechtzeitig" vor den Olympischen Spielen zu "beenden".

Zwar scheint auch Fox nur sehr bedingt an einer lückenlosen Aufklärung interessiert zu sein - Human Rights Watch hat erst kürzlich gefordert, der Untersuchung eine höhere Priorität zu geben - offenbar kommen aber trotzdem langsam Beweise ans Licht, die die Anschuldigungen eines geplanten Massakers bestätigen.




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