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Die Folgen der Freiheit
24.09.2003









Die USA werden gerne als das "freieste Land der Erde" bezeichnet. Politisch drängen sich an dieser Formulierung immer mehr Zweifel auf, wirtschaftlich ist sie aber sicherlich zutreffend.

Über die Folgen eines Aspektes dieser Freiheit berichtete am Montag die New York Times.

Immer mehr Menschen in den USA leben unterhalb der - mit einem Jahreseinkommen von 18.390 US-Dollar für eine vierköpfige Familie sowieso schon mehr als nur knapp bemessenen - Armutsgrenze. Im vergangenen Jahr waren es 34,8 Millionen Menschen, also 12,4 Prozent der Gesamtbevölkerung.

Viele dieser Menschen, versuchen ihre finanziellen Probleme zu überbrücken, indem sie ihre Kreditkarten einsetzen, was ihre Lage aber noch wesentlich verschlimmert. Da der Markt auch für Kreditkarten in den USA nicht reguliert wird, erreichen die zu zahlenden Zinsen häufig 30 Prozent, ein Wert, den der Autor des Artikels, Bob Herbert als "Wucher" bezeichnet und den einigen Unterschied zu Geldverleihern der Mafia darin sieht, daß die Menschen nicht um ihre Kniescheiben fürchten müssen.

Zwei von diesen Menschen sind das Ehepaar Julie und Jerry Pickett aus der Stadt Middletown im US-Bundesstaat Ohio. Kurz, nachdem sie Zwillinge zur Welt gebracht hatte und deshalb ihre Vollzeitarbeit aufgegeben hatte, begann das Geschäft ihres Mannes Absatzprobleme zu entwickeln.

In dieser Situation entwickelten sich die Kreditkarten der Familie zu "Lebensadern" des täglichen Bedarfs, Lebensmitteln, Benzin, Reparaturen und Kleidung für die Kinder.

Nach der Geburt eines weiteren Kindes stiegen die Kreditkartenschulden der Picketts auf 40.000 US-Dollar, eine Summe, die sie angesichts der massiven Zinszahlungen vermutlich nie werden zurückzahlen können. "Wir hatten eine Karte mit einem Saldo von 8.000 US-Dollar", sagte Frau Pickett. "Durch Zinsen und Verspätungszuschläge sind es jetzt 18.000 US-Dollar. Die Zinsrate lag anfangs bei 18 Prozent. Nachdem wir ein Jahr lang nicht bezahlt haben, liegt sie jetzt bei 28 Prozent."

Zwar sind die Schuldner grundsätzlich selbst für das Entstehen und die Rückzahlung ihrer Schulden verantwortlich, die Kreditkartenunternehmen machen es den Menschen durch niedrige "Einstiegszinssätze", die nach dem ersten Zahlungsverzug sehr schnell auf bis zu 30 Prozent steigen und zusätzliche Verspätungszuschläge sehr leicht, in eine Schuldenfalle zu geraten, aus der es kein Entkommen mehr gibt.

Eine Studie (Adobe Acrobat-Datei) der Organisation "Demos: A Network for Ideas and Action" zeigt, daß die Kreditkartenschulden in den USA zwischen 1989 und 2001 von 238 Milliarden US-Dollar auf 692 Milliarden US-Dollar angewachsen sind.

Am stärksten betroffen sind die Menschen mit den niedrigsten Einkommen. In der untersuchten Zeitspanne ist der Kreditkartenschuldenstand einer durchschnittlichen Familie um 53 Prozent angestiegen. Bei Familien der Mittelschicht waren es 75 Prozent und bei älteren Menschen 149 Prozent. Bei Familien mit einem sehr niedrigen Einkommen von unter 10.000 US-Dollar jährlich lag der Anstieg bei 184 Prozent.

Dies wird durch neue Geschäftsbedingungen der Kreditkartenunternehmen ausgenutzt. Verspätungszuschläge liegen im Mittel jetzt bei 29 US-Dollar und die meisten Kreditkartenunternehmen haben die Schonfrist für verspätete Zahlungen von 14 Tagen auf 0 Tage gesenkt. Die erste verspätete Zahlung wird außerdem als Grund genutzt, die anfänglichen, niedrigen Zinsraten, die teilweise bei 0 Prozent liegen, auf Zinssätze von 22 bis 29 Prozent anzuheben.

Dies hat der Studie zufolge dazu geführt, daß die Verspätungszuschläge die am schnellsten wachsenden Einnahmequelle der Kreditkartenunternehmen sind. Von 1,7 Milliarden US-Dollar im Jahr 1996 sind sie auf 7,4 Milliarden US-Dollar im Jahr 2002 angewachsen.

Und auch bei den Zinssätzen ist die Spitze aller Wahrscheinlichkeit nach noch nicht erreicht. Tamara Draut, eine Autorin der Studie, zufolge haben alle großen Kreditkartenunternehmen ihren Firmensitz in US-Bundesstaaten, die die Zinssätze nicht beschränken, so daß hier nach oben keine Grenze besteht, daß nach US-Gesetzen hierbei der Firmensitz und nicht der Wohnort des Kunden ausschlaggebend ist.

Diese Situation fördert die weitere Verarmung der betroffenen Familien und drängt immer neue Familien in die Armut.




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