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Nachrichten, die man nicht überall findet.




Eine Lehrstunde in Verschleierung
30.09.2003


Robert Fisk

http://news.independent.co.uk/world/fisk/story.jsp?story=448039







Erwähnt nur nicht das Öl. Oder fragt nach den Opfern.

"Die richtige Sache... eine hervorragende Arbeit... Helden... Stolz." Das war Tony gestern Morgen in "Breakfast With Frost", wie er die Tatsachen über den Irak immer weiter verdrehte.

Ich frage mich, was er über die städtische Leichenhalle hier in der Innenstadt denken würde, wenn sie jeden Morgen die Erschossenen hinbringen. Oder in der Gegend um Basra, wo die Briten herrschen und wo in den letzten paar Wochen 38 Leichen gefunden worden sind, Hände und Füße gefesselt, jeder einzelne geschickt mit einem Schuß in den Nacken hingerichtet. Beamte der Baath-Partei, sagt man uns. Getötet, möglicherweise, von der shiitischen Badr Brigade. Ja, die Dinge werden wirklich immer besser im "Neuen Irak."

Und was ist mit den Massenvernichtungswaffen?

"Wir wissen absolut sicher, daß er diese Waffen hatte, daß er diese Programme hatte." Gibt es jemand, der diese Verschleierung nicht durchblickt? Denn wenn Tony sagt: "Wir wissen absolut sicher, daß er diese Waffen hatte", bezieht er sich natürlich auf die Chemiewaffen, die Saddam vor über 10 Jahren hatte und die schon seit Jahren nicht mehr existierten. Die "Programme", die wir immer noch nicht gefunden haben, sind, worauf Tony hofft, daß die "Iraq Survey Group" sie sich einfallen lassen wird, wenn sie in einigen Tagen zugeben werden, daß es keine Massenvernichtungswaffen gab.

Selbstverständlich keine Erwähnung, daß als Saddam diese furchtbaren Dinge hatte, die britische und die amerikanische Regierung fröhlich Geschäfte mit Saddam machten. Warum nicht mal über Massentäuschungswaffen reden?

Dann kam mein Lieblingssatz. "Wir sind eines der schrecklichsten, repressivsten Regimes in der Geschichte der Welt losgeworden." Nun, ich habe die Massengräber gesehen und ich habe die Folteropfer getroffen und ich bin in Halabja gewesen und ich habe Saddams Bösartigkeit angeprangert als das Außenministerium einem meiner früheren Chefredakteure sagte, ich würde zu streng mit Saddam ins Gericht gehen. Aber eines der schrecklichsten, repressivsten Regimes in der "Geschichte der Welt..." Nun, wir werden einfach das Römische Imperium mit seinem System der Massensklaverei und Kreuzigung vergessen und wir werden auch über Dschingis Khan und all die Goten, Ostrogoten, Visigoten, die Inquisition, die antisemitischen Zaren, Mussolinis faschistisches Italien, Stalins Sowjetunion und den kleinen Mann mit dem Schnauzbart, der zwischen 1939 und 1945 ein winziges Problem verursachte, hinwegsehen.

Es tut mir leid, daß er selbst nach Saddams verrückten Werten nicht einmal nah an letzteren herankommt. Aber in dem Glücksrad der Geschichte, in dem Tony lebt, ist das verdammt egal. Tatsächlich bevorzuge ich Thomas Friedmans Darstellung in der New York Times als eine Kreuzung zwischen Don Corleone und Donald Duck. Aber man kann sich nicht wegen solch einer Kreatur auf die Brust schlagen und mit der Rüstung scheppern. Und wie machen sich die Sieger? Nun, in Baghdad gibt es heute mehr Straßensperren durch die Besatzer als es unter Saddam gab. Es gibt eine graue Betonmauer entlang des Tigris, 5 Kilometer lang und 6 Meter hoch, um die Besatzer zu schützen und eine weitere von 3 Kilometern um den sogenannten Übergangsrat zu schützen und es gibt Mauern um das Hotel Baghdad, wo die CIA-Jungs wohnen und es gibt auf jeder Straße Soldaten in Humvees, die ihre Gewehre auf die Iraker die zu befreien sie hergekommen waren, richten und es gibt eine unnachgiebige Widerstandsbewegung, die täglich größer wird.

Die Amerikaner sind scharf darauf, "Regeln der Vorgehensweise" für ihre Besatzungssoldaten zu haben und die haben sie gerade - auf Washingtons Bitte hin - von der israelischen Armee erhalten. Also heißt es dranbleiben für, wie ich vermute, mehr Schüsse auf Demonstranten und Steinewerfer und mehr brutale nächtliche Razzien, bei denen Unschuldige getötet werden. Aber Tony zufolge war es alles ein fröhlich erfolgreicher Krieg.




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