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Wieder Zeit für den Iran?
04.09.2003









Vor 50 Jahren hat die amerikanische CIA durch einen Staatsstreich für die Beseitigung der demokratischen Regierung des iranischen Premierministers Mohammed Mossadeqhs gesorgt. Die Anzeichen verdichten sich, daß die USA dieses "Jubiläum" auf eine ganz eigene Art feiern wollen.

Bis 1951 beutete die Anglo-Iranian Oil Company - die heutige BP - die iranischen Ölquellen aus, zahlte dem Iran aber nur 5 Prozent der Gewinne, der Rest floß nach Großbritannien.

Mossadeqh war nicht bereit, das weiter hinzunehmen und verstaatlichte das Unternehmen schließlich. Trotz iranischer Zusicherungen, 25 Prozent der Gewinne als Ausgleich abzuführen, Garantien für die Sicherheit und die Arbeitsplätze der britischen Angestellten und der Zusage, das Öl weiterhin innerhalb des gleichen Systems zu verkaufen, weigerten sich die Briten, die Verstaatlichung zu akzeptieren sondern taten alles, um sowohl das Unternehmen als auch Mossadeqhs Kopf zu bekommen.

Auf einen Aufmarsch der britischen Marine folgten internationale Handelssanktionen und eine Blockade sowie das Einfrieren iranischer Konten. Trotzdem war der Iran nicht bereit nachzugeben und auf die britische Forderung, die aufgrund der tiefgreifenden Sanktionen absolut unerfüllbar war, nicht nur eine Entschädigung für die Güter des Unternehmens, sondern auch für den Wert des Unternehmens selbst, den es durch die Erschließung der Ölquellen gewonnen hatte, zu zahlen, folgte schließlich die Ausweisung der Briten aus dem Iran.

Daraufhin wandten sich die Briten an die USA, mußten aber warten, bis die neue Regierung ihr Amt antrat. Die neue Regierung unter Dwight D. Eisenhower stand den britischen Plänen eines "Regierungswechsels" im Iran offensichtlich wesentlich positiver gegenüber.

Konnte die Regierung Mossadeqhs den ersten durch die CIA finanzierten, inszenierten und mit Waffen belieferten Aufstand noch niederschlagen, gelang dies beim zweiten Versuch nicht mehr.

Die demokratische Regierung des Irans - die erste im ganzen Mittleren Osten - wurde durch das Terrorregime des von den USA gestützten Schah Reza Pahlavi ersetzt. Im Namen des Kampfs gegen den Kommunismus - hier materialisierten sich die amerikanischen Ängste, daß die UdSSR sich in den Mittleren Osten ausbreiten könnte - wurden Tausende hingerichtet. Die iranische Geheimpolizei SAVAK, die für einen Großteil der Folterungen und Ermordungen verantwortlich war, war mit Unterstützung amerikanischer und israelischer Geheimdienste aufgebaut worden.

Und heute?

Mitte Juni kam es im Irak erstmals wieder zu größeren Ausschreitungen, von denen der Iran sicher ist, daß sie von den USA angestiftet wurden, ein früherer iranischer Botschafter wird in Großbritannien festgenommen, weil er mit einem Anschlag auf ein jüdisches Gemeindezentrum in Argentinien im Jahr 1994 in Verbindung gebracht wird.

Und am Mittwoch wurden nun von Unbekannten Schüsse auf die britische Botschaft in Tehran abgegeben, was dazu geführt hat, daß die britische Botschaft "bis auf weiteres" geschlossen wurde. Und aufgrund der Verhaftung des früheren Botschafters Hadi Soleimanpour hat Iran seinen Botschafter aus Großbritannien nach Iran zurückgerufen.

Zwei weitere Entwicklungen der letzten Tage dürften kaum zum Sicherheitsgefühl der iranischen Regierung beitragen. Erst wurde der shiitische Geistliche Mohammad Baker al-Hakim durch einen Bombenanschlag getötet, dann nannte der israelische Außenminister Silvan Shalom einem AFP-Bericht vom Dienstag zufolge die - von ihm unterstellten - iranischen Bestrebungen, Nuklearmacht zu werden, einen "Alptraum" und rief zu unverzüglichem internationalen Einschreiten auf.

Das exakte Datum ist zwar verpaßt, aber anscheinend halten einige Regierende es mal wieder für den richtigen Zeitpunkt für einen "Regimewechsel" im Irak. Die Parallelen sind zumindest kaum zu übersehen.




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