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Noch mehr Lügen
09.09.2003









Offenbar in Vorbereitung für die Rede des US-Präsidenten George W. Bush, in der er die jetzige Situation im Irak mit der Lage in Deutschland und Japan nach Ende des 2. Weltkriegs verglich, haben die Sicherheitsberaterin des Weißen Hauses, Condoleezza Rice, und der US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld auf bei einem Verteranentreffen in Austin in US-Bundesstaat Texas die nötige "Geschichtsanpassung" vorgenommen.

Rice stellte in ihrer Rede vor Veteranen am 25. August die Nachkriegszeit in Deutschland so dar:

"Es gibt eine verständliche Tendenz, auf Amerikas Erfahrung im Nachkriegsdeutschland zurückzublicken und nur die Erfolge zu sehen. Wie manche hier sich aber sicherlich erinnern, war die Reise nicht einfach. 1945 bis 1947 war eine besonders herausfordernde Zeit. Deutschland war nicht sofort stabil oder florierend. SS-Offiziere - genannt ‚Werwölfe' - begingen Sabotageakte und griffen Koalitionsstreitkräfte und diejenigen, die mit ihnen zusammenarbeiteten an - sehr ähnlich, wie heute die Überbleibsel der Baathisten und Fedayeen."

Und auch Rumsfeld wollte den Bogenschlag Irak-Deutschland vorbereiten:

"Eine Gruppe dieser Unverbesserlichen war als ‚Werwölfe' bekannt. Sie und andere Überbleibsel des Nazi-Regimes griffen alliierte Soldaten an und sie griffen Deutsche an, die mit den alliierten Streitkräften zusammenarbeiteten. Bürgermeister, unter anderem der von Amerika eingesetzte Bürgermeister von Aachen, der ersten großen deutschen Stadt, die befreit wurde, wurden ermordet. Kinder, teilweise erst 10 Jahre alt, wurden als Scharfschützen benutzt, Radiosendungen und Flugblätterwarnten Deutsche davor, mit den Aliierten zusammenzuarbeiten. Sie verschworen sich, um Sabotageakte an Fabriken, Kraftwerken, Bahnstrecken zu verüben. Sie jagten Polizeistationen und Regierungsgebäude in die Luft und sie zerstörten Bestände von Kunst und Antiquitäten, die im Berliner Museum aufbewahrt wurden. Hört sich das bekannt an?"

Um seine Frage zu beantworten: Nicht wirklich.

Der Bürgermeister von Aachen wurde ermordet, soweit richtig. Dies geschah allerdings am 25. März 1945 auf Befehl von Heinrich Himmler.

Die im September 1944 gegründeten "Werwölfe" bestanden zum großen Teil aus Jugendlichen, die wenig motiviert waren, tatsächlich Anschläge zu verüben, wie Antony Beevor in "Berlin 1945. Das Ende" schrieb.

Eine Studie der RAND Corporation beziffert die Zahl der nach Kriegsende in Deutschland und Japan bei Kämpfen getöteten US-Soldaten auf null.

In der offiziellen Geschichtsschreibung der US-Armee über die Besatzung Deutschlands in der Zeit von 1944 bis 1946 werden die ‚Werwölfe' ganze zwei Mal erwähnt und in beiden Fällen scheint es sich eher um verängstigte Teenager gehandelt zu haben.

Interessant ist auch noch die Wortwahl in Rices Rede. Sie sprach von Angriffen auf "Koalitionsstreitkräfte" statt die richtige Bezeichnung "Alliierte" zu verwenden. Offenbar sollte auch hierdurch ein weiterer gedanklicher Verweis hergestellt werden.

Diese vorsätzlichen - es ist wenig wahrscheinlich, daß beide Personen derart falsche Geschichtskenntnisse haben - Geschichtsfälschungen sind allerdings wenig verwunderlich. Warum sollte eine Regierung, die bei aktuellen Vorfällen einen derart lockeren Umgang mit der Wahrheit bewiesen hat, hierauf bei geschichtlichen Tatsachen Wert legen, wenn sie durch "kleine Anpassungen" viel besser zu der beabsichtigten Aussage paßt?




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