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Söldner und andere Geschäfte
29.09.2003









Daß sich die Eroberung und Besetzung des Iraks bei amerikanischen Firmen sehr positiv auf die Bilanz auswirkt, ist nicht neu. Das ist auch kaum verwunderlich, wenn der frühere Arbeitgeber des jetzigen Vizepräsidenten der USA diesem immer noch Gehaltszahlungen überweist, die seine Bezüge als Vizepräsident teilweise übersteigen.

Selbstverständlich braucht ein Unternehmen, daß sich als derart vertrauenswürdig erwiesen hat, kein Ausschreibungsverfahren über sich ergehen lassen, um einen milliardenschweren Auftrag zu bekommen.

Mit der Zeit tauchen aber immer neue Verflechtungen der US-Regierung mit der Wirtschaft auf. Wie die Pittsburgh Post-Gazette am Sonntag berichtete, sind eine ganze Reihe von "privaten Militärunternehmen" (PMC) mit unterschiedlichen Aufträgen im Irak betraut worden.

Vinnell Corp., ein Tochterunternehmen des Rüstungsunternehmens Northrop Grumman, ist eine dieser Firmen. Vinnell wurde vom US-Verteigungsministerium beauftragt, die Ausbildung der Rekruten für die neue irakische Armee durchzuführen.

"Die irakische Armee ist eine absolut grundlegende Komponente für die Zukunft des Iraks, wenn es darum geht, einen Bürgerkrieg zu verhindern", sagte Rex Wempen, ein Sicherheitsberater und früheres Mitglied der Special Forces, in Baghdad. "Es zeigt, wie eingebettet die PMCs in das Denken des Verteidigungsministeriums sind, wenn sie sie benutzen, um diese Armee auszubilden."

Der Flughafen Baghdads wird von bewaffneten Angestellten von Custer Battles bewacht.

Die irakischen Ölfelder werden von Erinys bewacht.

Global Risk hat den Auftrag erhalten, für den bewaffneten Schutz der US-Übergangsverwaltungsbehörde im Irak zu sorgen.

DynCorp - mittlerweile ein Teil von Computer Sciences Corporation (CSC) - soll für die Ausbildung der irakischen Polizei sorgen.

Wirtschaftlich stellt der Einsatz dieser privaten Söldnerfirmen eine zusätzliche Belastung dar - Angestellte verdienen beispielsweise bei Erinys 88.000 US-Dollar zuzüglich weiterer Arbeitgeberleistungen jährlich, mehr als das dreifache eines US-Soldaten - politisch hingegen ist es leicht nachvollziehbar.

Während mit jedem Bericht über einen getöteten US-Soldaten der Druck auf die US-Regierung zunimmt, stellt sich dieses Problem beim Einsatz privater Unternehmen nicht.

Häufig handelt es sich bei den Angestellten und Besitzern der Unternehmen um frühere Militärangehörige, die aus dieser Zeit nicht nur ihr "Wissen" und ihre Einstufung als Geheimnisträger erworben haben, sondern eben auch gute Kontakte zum Militär und ins Verteidigungsministerium besitzen.

Die USA versuchen, den Einsatz von Söldnern geheimzuhalten. Bei einer Pressekonferenz nach dem Einsatz von "privaten Militärfirmen" im Irak gefragt, antwortete der US-Oberkommandierende im Irak, Generalleutnant Ricardo Sanchez, daß er keine Kenntnisse über derartige Pläne habe.

Richard Galustian von dem Unternehmen Pilgrims berichtete von einem Vorfall auf der Straße von Baghdad zur jordanischen Grenze, als Angestellte seiner Firma das Feuer auf Menschen eröffneten, die sie verdächtigten, Verbrecher zu sein. "Definitiv wurden ein oder zwei Leute getroffen", so Galustian.

"Es ist der Irak", sagte er. "Man ist niemandem Rechenschaft schuldig. Ich vermute aber, daß man im Endeffekt dem US-Militär gegenüber verantwortlich ist für das, was passiert." Da die Erschießung von "vermutlichen Verbrechern" offensichtlich keine Folgen hatte, scheint diese Verantwortlichkeit tatsächlich höchstens theoretisch zu bestehen.

Das Verhältnis der amerikanischen Soldaten zu ihren "privatwirtschaftlichen Kollegen" ist gespalten. Einerseits helfen sie zwar bei der Aufgabe der Besatzung des Iraks, andererseits zeigen sich die Soldaten beunruhigt, da die Söldner nicht an die gleichen Vorgehensregeln gebunden sind wie die US-Soldaten - und für diese sind die Regeln schon mehr als locker, wie unzählige getötete Zivilisten beweisen.

Und es gibt noch weitere Verbindungen zwischen der US-Regierung und der Wirtschaft.

Wie der britische Guardian am Mittwoch berichtete, hat Salem Chalabi, ein Neffe des von den USA eingesetzten irakischen "Präsidenten" Ahmed Chalabi, das "Anwaltsbüro" IILG in Baghdad eröffnet, das als eine Verbindung zwischen "privaten Investoren" und den irakischen Behörden fungieren soll.

Auf der Website wirbt das Unternehmen damit, daß die "größten Unternehmen und Organisationen auf dem Planeten" zu seinen Kunden zählen. Zwar ist dies eine unbewiesene Behauptung und es wird kein Kunde namentlich genannt, aufgrund der engen Verflechtungen mit den Regierungen beider Länder erscheint es aber nur logisch, daß tatsächlich zahlreiche Unternehmen, die Aufträge im Irak erwarten, Auftraggeber der IILG sind.

Salem Chalabis Partner bei der IILG ist Marc Zell, bis vor wenigen Tagen war die Website sogar auf Zells Namen registriert. Offiziell wird Zell auf der Website als "Partner für internationale Vermarktung" genannt.

Zell wiederum hatte eine Gemeinschaftskanzlei mit dem jetzigen Unterstaatssekretär Douglas Feith, bis dieser im Jahr 2001 seinen Posten im US-Verteidigungsministerium antrat. Danach suchte Zell sich zwar neue Partner, der Name der Firma FandZ zeugt aber immer noch von den beiden Gründern. Sein Unternehmen hat kürzliche eine "Projektgruppe" gegründet, die "Angelegenheiten und Gelegenheiten bezüglich des vor Kurzem beendeten Krieges im Irak" behandeln soll.

Dabei wird die Firma mit der Federal Market Group zusammenarbeiten, die sich darauf spezialisiert hat, Regierungsaufträge für Unternehmen zu erlangen und hierbei nach eigenen Angaben eine Erfolgsrate von 90 Prozent hat.

Und damit schließt sich ein weiterer Kreis. Douglas Feith war und ist einer der nachhaltigsten Unterstützer Ahmed Chalabis in Washington. Während Feith schon im Jahr 1996 Ko-Autor eines Dokumentes war, daß den Sturz Saddam Husseins als einen ersten Schritt zu einer Neugestaltung von Israels "strategischer Umgebung" im Mittleren Osten bezeichnete, hatte Chalabi "Geheimdienstinformationen" über die irakischen Massenvernichtungswaffen geliefert.

Auch hier verdienen also nach dem Krieg die Personen an den Folgen, die zuvor dafür gesorgt haben, daß er geführt wird.




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