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Wen die Afghanen für ihre Feinde halten
08.09.2003









Am Sonntag berichtete die Journalistin Kathy Gannon in einem Artikel für AP, wer von den Einwohnern Afghanistans als Feinde und Zerstörer des Landes angesehen wird.

Es sind die von den USA gestützten afghanischen Kriegsherren - und damit auch die USA.

Im Osten Afghanistans zeigte der Opiumbauer Mohammed Jan auf eine Häuserreihe. "Dort beginnen die neuen, hübschen Häuser. Sie gehören den Kommandeuren. Ihr Geld kommt von den Drogen, vom Schmuggel. Sie werden niemals erwischt werden. Ihre Soldaten arbeiten mit den Amerikanern zusammen", erzählte er.

Die USA hatten sich von Beginn des Kriegs gegen die afghanischen Taliban an stark auf die Unterstützung der lokalen Kriegsherren verlassen und tun dies immer noch, wenn es darum geht, "die Ordnung" aufrechtzuerhalten - auch wenn dies vielleicht nur auf dem Papier eines Berichts, der nach Washington gesandt wird, gelingt.

Jan deutete auf einen weißen Wachturm, der eine drei Meter hohe Mauer überragt. "Drogenschmuggler", sagte er. "Das ist ein Kommandeur von Hazrat Ali. Sind die Amerikaner verrückt? Wir Afghanen wissen, wer diese Leute sind und was sie tun. Es gibt keine Sicherheit, keine Entwicklung, aber die Taschen dieser Leute sind voller Geld. Wir wissen, daß sie ohne die Amerikaner niemand wären."

Hazrat Ali ist der Oberkommandierende von Afghanistans östlicher Zone.

"Der große Fehler kommt von den Amerikanern. Sie wollen den Frieden nach Afghanistan mit Hilfe von Dieben und Mördern bringen. Die Amerikaner haben nach zwei Jahren nichts gelernt", sagte Abdul Raouf, ein Autohändler in Jalalabad. "Jeden Tag wird die Lage schlechter."

Während die Opiumproduktion unter den Taliban verboten worden war und dieses Verbot auch brutal durchgesetzt wurde, ist die Produktion nach der Eroberung des Landes auf ein neues Rekordniveau gestiegen.

Die Regierung des afghanischen Premierministers Hamid Karzai hat effektiv - wenn überhaupt - nur innerhalb der Hauptstadt Kabul Macht. Nachdem Karzai monatelang vergeblich versucht hatte, den Gouverneur von Kandahar, Gul Agha Sherzai, durch einen anderen zu ersetzen, waren fehlgeschlagen, weil Sherzai sich weigerte, dies zu akzeptieren. Mittlerweile hat Sherzai seinen Posten an Mohammad Yusuf Pushtun abgegeben, allerdings nur, weil Karzai ihm einen Ministerposten in der Regierung des Landes gegeben hat.

All dies führt zu einer wachsenden Unzufriedenheit innerhalb der Bevölkerung. "Jeder sagt ‚Kriegsherren', aber wer sind diese Kriegsherren denn? Sie sind Kommandeure, sie sind Minister der Regierung", sagte Raouf. "Wir mochten die Taliban nicht, aber damals gab es Sicherheit, es gab Gesetze. Aber jetzt ist jeder mit einer Waffe das Gesetz."

Diese Gefühle dürften auch eine Erklärung für das Wiedererstarken der Taliban sein. Nach ihrer Aussage brauchen sie nicht mehr zu befürchten, an Regierungsstellen gemeldet zu werden, sondern können sich in den Dörfern bewegen und werden mit Lebensmitteln und Unterkunft versorgt.




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