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Nachrichten, die man nicht überall findet.




Interview mit dem syrischen Außenminister

http://www.informationclearinghouse.info/article3025.htm





Mitschrift

Mark Davis: Vielen Dank, daß Sie uns hier bei Dateline zur Verfügung stehen. Ich weiß, daß Ihre Zeit knapp bemessen ist. Sie erhalten mittlerweile täglich Berichte mit Drohungen aus Amerika. Erhalten Sie diese Drohungen direkt oder nur Medienberichte der Anschuldigungen?

Farouk Al-Sharaa: Medienberichte. Sie geben nur Erklärungen an die Medien.

Mark Davis: Sie werden also nicht direkt beschuldigt und man versucht auch nicht, die Dinge zu klären?

Farouk Al-Sharaa: Nein.

Mark Davis: Warum könnte das so sein?

Farouk Al-Sharaa: Ich denke, sie wollen die öffentliche Meinung auf ein anderes Ziel lenken, um davon abzulenken, was sie im Irak getan haben - sie wissen ja, daß es im Irak ein Riesenschlamassel ist. Aufstände, Plünderungen, Zerstörung, Ermordung unschuldiger Leute - wenig erfreuliches für die irakischen Menschen, die sich den Besatzungsmächten gegenüber sehen.

Mark Davis: Und überrascht sie dieser Mangel an Kommunikationsbereitschaft? Sie hatte doch ziemlich gute Beziehungen Zu Washington. Insbesondere nach dem 11. September haben sie mit ihnen zusammengearbeitet. Überrascht Sie die Schwere der Angriffe?

Farouk Al-Sharaa: Ich denke die Mehrheit, die große Mehrheit der internationalen Gemeinschaft war gegen den Krieg. Es ist kein Geheimnis. Sie haben nur drei oder vier Länder in dieser Koalition, der Rest war gegen den Krieg. Wenn sie möchten, kann ich aufzählen - China war gegen den Krieg, Indien war gegen den Krieg, Pakistan war gegen den Krieg, Russland war gegen den Krieg, Frankreich war gegen den Krieg, Deutschland war gegen den Krieg, Kanada war gegen den Krieg, ganz Lateinamerika war gegen den Krieg, die arabische Welt mit Ausnahme Kuwaits war gegen den Krieg.

Mark Davis: Aber keines dieser Länder steht jetzt im Mittelpunkt der amerikanischen Angriffe. Überrascht es sie, daß sie es sind?

Farouk Al-Sharaa: Zu einem gewissen Teil, ja, ich hatte sie nicht für so niederträchtig gehalten. Sie wissen, was ich meine? Sie wissen schließlich, daß wir im Iran-Irak-Krieg, als sie Saddam Hussein unterstützten, gegen das irakische Regime waren und wir in der Koalition gegen Saddam Hussein in Kuwait waren, wir haben Soldaten und Panzer entsandt, um bei der Befreiung Kuwaits 1990/91 zu helfen. Sie wissen also, daß wir nicht gerade die besten Freunde waren und jetzt kommen diese auf Unwahrheiten, Erfindungen, Täuschungen basierenden Beschuldigungen, nur um ein anderes Ziel zu rechtfertigen, weil sie es nicht geschafft haben, zu erreichen, was sie angekündigt hatten. Sie hatten gesagt, sie würden die Iraker durch einen Regimewechsel befreien und führten den Regimewechsel herbei, aber nicht ein Iraker fühlte sich durch die Amerikaner befreit. Haben sie fröhliche Iraker in Baghdad gesehen?

Mark Davis: Wir haben definitiv einige gesehen.

Farouk Al-Sharaa: Wie viele?

Mark Davis: Hunderte, wahrscheinlich.

Farouk Al-Sharaa: Ich denke, wenn sie wirklich befreit worden wären, wären Millionen fröhlich und jubelnd in den Straßen gewesen. Waren sie aber nicht, denn sie haben viel Zerstörung, viele Aufstände und viele getötete Unschuldige gesehen. Es stimmt, daß das Regime gestürzt wurde und daß vielleicht viele deshalb froh waren, aber sie konnten ihrer Freude nicht freien Lauf lassen, denn auf dem Weg dorthin haben sie die komplette Zerstörung des Iraks, der Straßen, der Geschäfte, der Gallerien, der Museen, der Krankenhäuser, der Zivilisten gesehen. Warum sollten sie fröhlich sein?

Mark Davis: Nun, die Dinge haben sich vom Irak aus sehr schnell weiterentwickelt, in einer Geschwindigkeit, die die Welt und vermutlich auch Sie überrascht hat. Sind Sie wegen der Intensität der Angriffe beunruhigt und was halten Sie für die Hintergründe?

Farouk Al-Sharaa: Welche Angriffe?

Mark Davis: Die verbalen Angriffe Amerikas. Was glauben Sie, ist der Hintergrund?

Farouk Al-Sharaa: Ich möchte klarstellen, daß sie weder eine Rechtfertigung noch einen Vorwand für diese Angriffe haben. Und ich werden Ihnen so viele Beispiele dafür geben. Zuallererst, wir sind seit 24 Jahren, seit 1979, nicht mit dem irakischen Regime befreundet. Wir waren gegen den Iran-Irak-Krieg und wir waren gegen Saddam Hussein in Kuwait. Und wir entsandten Truppen, um bei der Befreiung Kuwait zu helfen. Sie haben also eine Vorstellung der Zeitspanne unserer Spannungen mit dem irakischen Regime? Der zweite Punkt ist das Verhalten des irakischen Regimes, wir haben nie Krieg mit Nachbarländern geführt. Saddam war von Anfang an gegen den Friedensprozeß. Wir waren von Anfang an für den Friendsprozeß. Der dritte Unterschied zwischen Syrien und dem irakischen Regime sind die Militärausgaben, wir geben nur 10% für Waffen aus - verglichen mit den Ausgaben Israels für Waffen. Verstehen Sie das?

Mark Davis: Ja, ich verstehe.

Farouk Al-Sharaa: Wenn sie uns beschuldigen - ich meine nicht Sie - viele Waffen zu zu haben, Waffen zu schmuggeln oder Massenvernichtungswaffen zu bauen, möchte ich Ihnen sagen, daß wir für Waffen nur 10% des israelischen Budgets für Waffen ausgeben.

Mark Davis: Nun, Ihr potentieller Gegner ist in diesem Fall nicht Israel. Es ist Amerika. Die Amerikaner machen sehr detaillierte Beschuldigungen und viele von ihnen... ich würde gern einige von ihnen durchgehen, um zumindest eine kurze Antwort zu bekommen.

Farouk Al-Sharaa: Sie sollten nicht zu sehr zwischen den USA und Israel unterscheiden. Sie mögen diese Abgrenzung selber nicht. Sie sitzen im gleichen Boot, besonders jetzt. Wenn Sie die anfänglichen Anschuldigungen zurückverfolgen werden Sie herausfinden, daß Israel dahintersteckte.

Mark Davis: Nun, können wir uns einige der Beschuldigungen von Bush, Powell und Rumsfeld der letzten drei oder vier Tage genauer ansehen? Als erstes: haben sie Saddam Husseins Familie, seinen Kabinettsmitgliedern oder hohen Militärs Zuflucht geboten?

Farouk Al-Sharaa: Ich haben Ihnen von Anfang an gesagt, daß das irakische Regime uns nicht genügend traut, als daß sie nach Syrien fliehen würden.

Mark Davis: Als noch Ihrem besten Wissen...

Farouk Al-Sharaa: Ich denke, sie könnten überall hingehen, vielleicht sind sie im Irak geblieben, insbesondere im Nordirak, wo es ruhiger ist, als in irgendein Nachbarland zu gehen.

Mark Davis: Aber warum sollten die Amerikaner diese Beschuldigung aussprechen, wenn sie keine geheimdienstlichen Erkenntnisse hätten, daß das passiert ist?

Farouk Al-Sharaa: Nun, wo sind die Erkenntnisse der Vereinigten Staaten? Wo sind die Beweise? Wir haben sie aufgefordert die Beweise vorzulegen aber sie taten es nicht, sie wiederholen nur immer wieder die Anschuldigungen, ohne Beweise vorzulegen.

Mark Davis: Und sie legen ihnen die Beweise nicht vor?

Farouk Al-Sharaa: Wir werden sehen. Lassen Sie mich Ihnen ein anderes Beispiel geben. Entschuldigen Sie, daß ich Sie unterbreche. Wußten Sie, daß wir 300.000 Iraker, Gegner Husseins in Syrien hatten? Die Amerikaner sollten sie also willkommenheißen. Sie sollten fragen, wo sie sind, sie sollten in den Irak zurückkehren. Aber sie haben Angst, in den Irak zurückzukehren. Die Amerikaner wollen, daß wir die Grenze schließen. Selbst wenn wir diese Leute in den Irak gehen ließen, würden sie sie als Söldner betrachten - stellen Sie sich das mal vor.

Mark Davis: Wo wir schon von Söldnern reden, das ist tatsächlich ein weiterer Vorwurf der Amerikaner. Es gibt immerhin einige Beweise, daß Syrer gegen die Koalition kämpfen...

Farouk Al-Sharaa: Das wissen wir natürlich nicht... Ich meine diese Iraker, die aus ihrem Land vor Jahren geflohen sind, wir wissen nicht, ob sie proamerikanisch oder antiamerikanisch sind. Wir haben sie nicht gefragt.

Mark Davis: Aber im aktuellen Konflikt gibt es Leute, die aus Syrien kommen um Amerikaner zu töten und...

Farouk Al-Sharaa: Das waren die ersten Tage, sie waren Freiwillige. Das war keine staatliche Intervention. Wir hatten nichts damit zu tun.

Mark Davis: Hat die Regierung ein Auge zugedrückt?

Farouk Al-Sharaa: Kein Auge zugedrückt. Wir wurden gebeten, mehr als das zu tun, dem Irak beizustehen, was wir ablehnten. Wir kennen das Regime und das war's. Wir stehen dem irakischen Volk bei und nicht dem irakischen Regime.

Mark Davis: Aber sie akzeptierten, daß Jihad-Soldaten durch Syrien in den Irak gelangten?

Farouk Al-Sharaa: Das ist falsch, das würde bedeuten, wir hätten sie angeworben und ausgebildet. Das ist absolut falsch. Wir haben das niemals getan. Wenn wir es getan hätten, würden wir es sagen, denn es würde uns in der arabischen Welt viel Zuspruch einbringen. Aber wir haben es nicht getan.

Mark Davis: Daß sie sie nicht aufgehalten haben? Daß sie sie nicht aufzuhalten brauchten, es ist nicht ihr...

Farouk Al-Sharaa: Wenn wir sie aufgehalten hätten und unsere Armee an der Grenze zusammengezogen hätten hätten uns die Leute gefragt "Warum zieht ihr nicht in den Krieg?".

Mark Davis: Nun, die vermutlich schwerwiegendste Anschuldigung betrifft Massenvernichtungswaffen. Die Amerikaner sagen, Saddam könnte solche Waffen nach Syrien gebracht haben. Gab es in den letzten 12 Monaten irgendwelche Transporte von Waffen oder Waffenteilen aus dem Irak nach Syrien?

Farouk Al-Sharaa: Nein. Das ist nicht nötig. Wenn Saddam Hussein die ganzen Jahre Massenvernichtungswaffen gehabt hätte, wie sie behaupten, hätte er sie für den Krieg behalten. Warum sollten sie sie während des Krieges außer Landes schaffen?

Mark Davis: Vermutlich, weil er wußte, daß das Spiel aus war. So ist die Theorie.

Farouk Al-Sharaa: Warum? Bis zum letzten Moment glaubte niemand, vielleicht glaubte Saddam Hussein selbst nichteinmal daran, daß er einfach gehen oder getötet werden würde - ich weiß nicht, was mit ihm passiert ist - um Baghdad dann so schnell aufzugeben. Wenn er also Massenvernichtungswaffen gehabt hätte hätte er sie nicht nach Syrien geschmuggelt um sie dort zu verstecken, er hätte sie eingesetzt, ganz besonders in einer verzeifelten Lage. Außerdem wurde Syrien vorgeworfen, Waffen in den Irak zu schmuggeln. Diese beiden Gegensätze, oder gegensätzlichen Vorwürfe, sind Beweis genug, daß alles erfunden ist.

Mark Davis: Und das ist eine entschiedene Zurückweisung der Vorwürfe? Der vermutlich ernsteste Vorwurf im Zusammenhang mit chemischen Waffen kommt von George Bush und Donald Rumsfeld, nämlich daß Syrien selbst Massenvernichtungswaffen entwickelt, insbesondere Saringas und andere chemische Waffen. Angesichts der Ereignisse der letzten 12 Monate ist dies wahrscheinlich der gefährlichszte Vorwurf, denn sie machen können. Behalten sie sich das Recht vor, chemische oder nukleare Waffen zu bauen?

Farouk Al-Sharaa: Ich werde Ihnen eine sehr präzise und detaillierte Antwort geben. Wir sind bereit, ich meine Syrien, die syrische Regierung, ist bereit, unter Aufsicht der UN einen Vertrag zu unterzeichnen, der den ganzen Mittleren Osten zu einer massenvernichtungswaffenfreien Zone machen würde. Wenn die USA sich Sorgen wegen der Existenz von Massenvernichtungswaffen in Syrien oder sonstwo im Mittleren Osten macht, wenn Israel sich Sorgen wegen der Existenz von Massenvernichtungswaffen in Syrien oder im Irak oder sonstwo macht, dann biete ich Ihnen, und ich würde ihn der UN und Amerika anbieten, diesen Vertrag an.

Mark Davis: Behalten Sie oder Syrien sich heute das Recht vor, chemische Waffen herzustellen und einzusetzen?

Farouk Al-Sharaa: Warum fragen Sie mich und zweifeln an der Antwort? Ich sage Ihnen, daß es besser für die Amerikaner, für die Israelis, für jeden Menschen auf der Erde, besonders im Mittleren Osten, ist, und es ist gut für die amerikanischen Streitkräfte im Irak, wenn der ganze Mittlere Osten ein Gebiet frei von Massenvernichtungswaffen - nuklearen, chemischen und biologischen - ist. Außerdem ist es sehr hilfreich, wenn dies passiert, denn dann kann kein Terrorist, wie die Amerikaner sagen, diese Massenvernichtungswaffen bekommen.

Mark Davis: Richtig, wenn es sie nicht gibt.

Farouk Al-Sharaa: Ja, und in dem Fall könnten wir die Verbindung von Terrorismus mit Massenvernichtungswaffen, was eine sehr gefährliche und ernste Angelegenheit ist, verhindern.

Mark Davis: Das ist also momentan die Frage. Der Präsident der Vereinigten Staaten beschuldigt sie...

Farouk Al-Sharaa: Dies ist eine sehr wichtige Antwort der syrischen Regierung und der syrische Außenminister macht im Namen der syrischen Regierung, im Namen Syriens, dieses wichtige Angebot.

Mark Davis: Aber gibt es ein Dementi, daß sie chemische Waffen haben?

Farouk Al-Sharaa: Warum sollte ich es abstreiten? Warum sollte ich es zugeben? Ich gebe Ihnen eine bessere Lösung - den ganzen Mittleren Osten, ein für allemal, von Massenvernichtungswaffen zu befreien. Wenn Sie chemische Waffen oder nukleare Fähigkeiten hätten, wären Sie bereit, den Vertrag zu unterzeichnen?

Farouk Al-Sharaa: Ja, natürlich.

Mark Davis: Aber Sie werden den Besitz nicht leugnen?

Farouk Al-Sharaa: Wenn wir sie besitzen, heißt das, daß wir sie nicht länger behalten werden. Wenn wir sie nicht besitzen, heißt es, daß wir sie nicht herstellen werden.

Mark Davis: Nochmals vielen Dank, daß Sie hier waren. Wir wissen Ihre Zeit zu würdigen.







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